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Krabat

Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meisetr und Schüler kommen.

Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

Fechner und der Streit um die beiden Holbein-Madonnen

Fechner und der Streit um die beiden Holbein-Madonnen

Prof. Dr. Johann Schneider

Bis in die Sechzigerjahre des 19. Jahrhunderts galt die Holbein-Madonna als ein Juwel der Dresdner Bildergalerie. Das Gemälde war 1743 in den Besitz von August dem III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, gekommen. Die Madonna wurde als deutsches Gegenstück zur Sixtinischen Madonna von Raffael (1483-1520) betrachtet, und wurde dementsprechend in einem besonderen Kabinett ausgestellt. Durch ein größeres Werk des deutschen Kunstgelehrten Alfred Woltmann über „Holbein uns seine Zeit“, welches 1866 erschien, wurde die Aufmerksamkeit der deutschen Kunstwelt wieder auf Holbein den Jüngeren (1497/98-1543) gelenkt. Im Jahr darauf äußerte der Inspektor der Londoner Nationalgalerie, R.N. Wornum, öffentlich Zweifel an der Echtheit der Dresdner Madonna, indem er den Versuch unternahm, die Geschichte des Bildes aufzudecken. Zu der Dresdner Madonna gab es ein Schwesterbild in Darmstadt, das Prinz Wilhelm von Preußen 1822 erworben hatte, und das sich im Besitz des Großherzoglich Hessischen Hauses in Darmstadt befand.

Haben wir es mit zwei Holbein-Madonnen zu tun?

Gustav Theodor Fechner (1801-1887) - Physiker, Philosoph, Dichter, Humorist, Begründer der Psychophysik und der experimentellen Ästhetik - beteiligte sich mit erstaunlich großem Engagement über mehrere Jahre an dem von Wornum ausgelösten Streit um die beiden Holbein-Madonnen. Wie seine Veröffentlichungen belegen, nahm er nacheinander ausführlich Stellung zu Fragen der Deutung, Echtheit und Schönheit des Dresdner Bildes.

Den Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung um die Echtheitsfrage 1871 anlässlich der Holbein-Ausstellung in Dresden. Hauptattraktion dieser Ausstellung waren die beiden Madonnen-Bilder, die Dresdner und die Darmstädter Madonna.

Fechner benutzte diese einmalige Gelegenheit zu einer Publikumsbefragung zu diesen beiden Gemälden. Das Ausstellungskomitee erlaubte ihm im Ausstellungraum ein Album auszulegen, in dem die Besucher dazu eingeladen wurden, ihr Urteil über die beiden Madonnenbilder abzugeben. Fechner beabsichtigte damit einen Beitrag zur Schönheitsfrage zu liefern. Zu seiner großen Enttäuschung konnten weder die Kunstkritiker noch das Publikum mit seiner neuen Befragungsmethode etwas anfangen. Von den 11842 Besuchern nahmen 113 mehr oder minder ernsthaft an der schriftlichen Befragung teil. Lediglich 35 Eintragungen waren auszuwerten. Das Ergebnis: Bei der Schönheitsfrage entschieden sich 11 der Befragungsteilnehmer für die Darmstädter Madonna und 4 für die Dresdner Madonna. Für Fechner war dieses erste „öffentliche aesthetische Experiment“, wie er es nannte, ein Misserfolg. Dennoch dokumentierte er in einer eigenen Schrift 1872 ausführlich seine Erfahrungen mit der ersten Meinungsbefragung zu ästhetischen Fragen. So liest man in seinem Bericht:

„Was nun ist aus dem ganzen Plane, der mir so wohl angelegt schien, geworden? Kurz und allgemein gesprochen: was aus einem Sämlein werden kann, wenn es auf harten Boden unter Dornen fällt. Nicht nur, dass die Kunstkritiker ihn verworfen haben, ohne ihn eigentlich zu kennen, ist auch das Publicum verhältnismässig wenig und nicht so darauf eingegangen, wie er vorgezeichnet war, und wie es zum Gelingen nöthig war;“

In der Echtheitsfrage sprachen für Fechner eine Anzahl von Gründen für die Echtheit beider Madonnenbilder. Bis zu seinem Lebensende hielt er an dieser Überzeugung fest.

Den Streit um die beiden Holbein-Madonnen haben die Kunsthistoriker inzwischen beigelegt. Als Original gilt heute die Darmstädter Madonna. Das Gemälde wurde von Holbein zwischen 1526 und 1528 gemalt. Dargestellt wurde außer der sogenannten Schutzmantel-Madonna, der Bürgermeister Jacob Meyer zum Hasen aus Basel, seine Tochter Anna, seine erste Frau Magdalena Baer (gestorben 1511), seine zweite Frau Dorothea Kannengieser, und seine beiden namentlich nicht bekannten Söhne. Auftraggeber des Bildes war der Bürgermeister selbst. Die Dresdner Madonna wurde zur Kopie erklärt, die von dem Maler Bartholomäus Sarburgh (1580- nach 1638) wahrscheinlich um das Jahr 1636 hergestellt wurde.

Noch ein Hinweis für interessierte Museumsbesucher:

Der neugierig gewordene Kunstliebhaber findet die Dresdner Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Die Darmstädter Madonna kann seit 2012 im Chor der Johanniterkirche (Sammlung Würth) in Schwäbisch Hall bewundert werden.

*****

Literatur:

Maaz, B.: Hans Holbein d. J., Die Madonnen des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen in Dresden und Darmstadt: Wahrnehmung, Wahrheitsfindung und -verunklärung, Künzelsau: Swiridoff Verlag, 2014.

1. Bild: Dresdner Kopie der Holbeinschen Madonna von Bartholomäus Sarburgh, (wikipedia.org) - gemeinfrei

2. Bild: Hans Holbein d. J., Madonna des Bürgermeisters Meyer, 1526 (Sammlung Würth, Johanniterkirche, Schwäbisch Hall), wikipedia.org) - gemeinfrei

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