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Christiane Karoline Schlegel

Christiane Karoline Schlegel

Alexander Walther

Grab auf dem Inneren Neustädter Friedhof
Grab auf dem Inneren Neustädter Friedhof

Christiane Karoline Schlegel wurde am 7. Dezember 1739 in Dresden unter dem Namen Christiane Karoline Lucius geboren. Sie wuchs mit einem zwei Jahre älteren Bruder und einer neun Jahre jüngeren Schwester auf. Ihr Vater war Karl Friedrich Lucius (1708-1783), Mitglied im Geheimen Kabinett der sächsischen Staatsregierung, ihre Mutter war Christiane Sophie. Ihre Kindheit und Jugendzeit verbrachte sie im elterlichen Haus. Die Mutter war für die Erziehung, ein Hauslehrer für die Bildung zuständig. Bereits in jungen Jahren schrieb sie Briefe in verschiedenen Sprachen, sie war sowohl dem Französischen als auch dem Englischen und Italienischen mächtig gewesen und begann mit kleineren Übersetzungen.

Schon bald entdeckte sie ihre Faszination für die Werke Christian Fürchtegott Gellerts (Dichter und Philosoph, einer der meistgelesensten Schriftsteller im 18. Jahrhundert, geboren 1715, gestorben 1769) und stand zwischen 1760 und seinem Tod 1769 mit ihm im brieflichen Austausch. Ebenso entstand ein brieflicher Kontakt zwischen ihr und Johann Georg Jacobi (Dichter und Publizist, 1740 bis 1814).

Im Jahr 1774 heiratete sie Gottlieb Schlegel (1813 gest.), einen Pastor, und das Paar zog nach Burgwerben nahe Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt.

Nach dem Tod ihres Mannes kehrte die Schriftstellerin 1814 wieder in ihre Heimatstadt zurück, wo sie 1833 im Alter von 93 Jahren verstarb und auf dem Inneren Neustädter Friedhof beerdigt wurde.

Zu ihrem Hauptwerk gehören zum einen die 1823 veröffentlichten Briefwechsel zwischen ihr und Gellert sowie das Drama Düval und Charmille. Ein bürgerliches Trauerspiel in fünf Aufzügen von einem Frauenzimmer, Leipzig 1778.

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"Dresden, den 21. Oct. 1760.

Hochzuehrender Herr Professor!

Ich bitte Sie nicht, daß Sie mirs erlauben, an Sie zu schreiben; denn ich bin so entschlossen, es nicht zu unterlassen, Sie möchten mir es nun erlauben, oder nicht. Die Freyheit zwar, deren ich mich bediene, ist sehr neu; allein, eben weil sie neu ist und mir gefällt, bin ich nicht davon abzubringen. Sie sollen sehr gütig seyn, das hat man mir gesagt; und da, denke ich, will ich schon dafür sorgen, daß Sie mich nicht für unbescheiden halten. Denn fürs erste bin ichs nicht, das getraue ich mir zu beweisen, wenn ich dazu aufgefordert werden sollte; und dann hoffei ich, Sie auch schon dadurch, daß ich IHnen alles sage, was ich von Ihnen denke - und ich denke unbeschreiblich gut von Ihnen - auf meine Seite zu bringen, daß Sie mir meine Unbescheidenheit, wenn Sie ja so wollen, und meine andern Fehler, die sich etwa verrathen könnten, gütigst übersehen werden. - "Es gilt Ihnen gleich, was ich von Ihnen denke?" - O verzeihen Sie mir! Ich bedeute zwar nicht sonderlich viel in der Welt; aber daß ich sie so sehr liebe, ist doch wohl ein großer Beweis, daß mein Urtheil nicht zu verachten ist, und daß ich Verstand habe. Ueverdieß bin ich auch sonst ein gutes Mödchen, von allen meinen Verwandten und Freunden geliebt. Ich könnte mich diesfalls auf das Zeugniß meines Bruders berufen, der nicht wider sein Gewissen reden würde, und der auch keine Parteilichkeit für mich hegt. Allein ich darf es nicht. [...] Werden Sie nicht einmal nach Dresden kommen? Wenns geschieht, und ich etwas davon höre, wo Sie sich aufhalten, so sind sie in der That vor mir nicht sicher. Fürchten Sie aber nur nicht gar zu viel. Ich weiß es schon, was es zu bedeuten hat, wenn Sie die Mütze abnehmen. [...]"

"Mademoiselle!

Sie haben mich Ihrer Achtung und Freundschaft in einer so aufgeweckten, naiven und überzeugenden Sprache versichert, daß ich sehr unempfindlich seyn mü´te, wenn mir Ihr Brief nicht hätte gefallen sollen, und sehr undankbar, wenn ich Ihnen nicht gleich den ersten Tag für dieses unerwartete Geschenk danken wollte. In der That kann ich mich nicht erinnern, daß ich jemals einen so lachenden und doch natürlichen Brief von einem Frauenzimmer erhalten hätte; von einer Mannsperson will ich gar nicht sagen; denn unser Witz ist nich fein genug zu dieser Schreibart. Ihr Brief, liebe Mademoiselle, ist also der erste schöne Brief in dieser Art, den ich erhalten. Sind Sie mit dieser Danksagung zufrieden? Vor zehen Jahren hätte ich sie munterer gesagt; aber itzt, scherhafte Babet , kostet mich ein trockner Brief schon Mühe, und Gedanken, die freiwillig kommen sollen, muß ich aus einem eingespannten und schmerzhaften Kopfe erst losarbeiten. doch ich stehe in der Gefahr zu klagen, wenn ich länger von mir rede; [...] Leipzig, den 22.Oct. 1760."

Auszug aus Briefwechsel Christian Fürchtegott Gellert´s mit Demoiselle Lucius, Leipzig 1823, S. 1-6.

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Literaturauswahl:

Carl Wilhelm Otto August Schindel: Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts, Zweiter Theil M-Z. F. A. Brockhaus, Leipzig 1825, S. 248-259.

Schmidt, Erich; Brümmer, Franz, „ Lucius, Christiane Caroline", in: Allgemeine Deutsche Biographie  (1884), S.  [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117313890.html?anchor=adb [Stand: 25.06.2013]