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Dresden. Die 99 besonderen Seiten der Stadt

Dresden, das ist die alte Residenzstadt, das Elbflorenz. Hier stehen Semperoper und Frauenkirche. Das alles weiß man. Aber wer weiß, dass die Kaffeefiltertüte in Dresden erfunden, das erste Mundwasser hier kreiert wurde? Und wer hat eine Ahnung, wie die Sächsische Schweiz zu ihrem Namen kam?

Museum der Dresdner Frühromantik

Museum der Dresdner Frühromantik

Henner Kotte

Heimkehr in den Tod

„Atelier des Malers Gerhard von Kügelgen“ diente als Vorlage zur originalgetreuen Nachgestaltung der Atelierräume Kügelgens für die heutige Ausstellung.
„Atelier des Malers Gerhard von Kügelgen“ diente als Vorlage zur originalgetreuen Nachgestaltung der Atelierräume Kügelgens für die heutige Ausstellung.

Die Fassade des Hauses: Rokoko, daran der Sinnspruch: „An Gottes Segen ist alles gelegen“. Drinnen wohnte Kunstprofessor und Maler Gerhard von Kügelgen mit seiner Familie. Die Künst­ler der Dresdner Frühromantik waren bei ihm zu Gast. Doch die Gedenktafel in der Radeberger Vorstadt erinnert an – Raub­mord. Zunächst war der 27. März 1820 nicht ungewöhnlich gewesen: Der Vater war in sein Atelierhaus im Loschwitzer Wein­berg gegangen. Kügelgen war seinerzeit ein anerkannter Maler und Porträtist von u. a. Goethe, Herder und Seume. Am Abend um sechs Uhr brach er von dort auf, doch zu Hause kam er nicht an. „Erst am nächsten Morgen gegen neun Uhr fand der junge Kügelgen, als er in Begleitung eines Gendarmen noch einmal an dem Fußweg entlang ging, den entseelten Körper seines Vaters.

Erste Fassung 1812. Dargestellt ist Louise Seidler.
Erste Fassung 1812. Dargestellt ist Louise Seidler.

Das Gesicht war von mehreren Schlägen und Stichwun­den entstellt, der linke Augenwinkel, der linke Unterkiefer und das linke Schläfenbein waren zertrümmert.“ Die Leiche schien beraubt worden zu sein. Ein Händler erkannte den Unterkano­nier Johann Gottfried Kaltofen wieder, der hatte ihm Kügelgens Kleidung zum Kauf angeboten. Kaltofen hatte Spielschulden und lebte über seine Verhältnisse. Er leugnete, wurde aber an­hand der Indizien überführt. Noch auf dem Schafott beschul­digte er Kameraden der Tat. Dann fiel sein Kopf vor Tausenden Schaulustigen. Der Mörder war ein schöner Mann gewesen. Die Menge tief beeindruckt. Ein Dienstmädchen erwürgte darauf­hin die Freundin, um ebenso feierlich hingerichtet zu werden. Öffentlich sterben – das Mordmotiv blieb einzigartig.

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Textquelle:

Kotte, Henner: "Dresden. Die 99 besonderen Seiten der Stadt" mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH Halle, 2015 ISBN: 978-95462-395-2

Bildquellen:

Vorschaubild, Haus Gottessegen / Kügelgenhaus auf der Dresdner Hauptstraße Urheber: X-Weinzar Via Wikimedia Commons CC BY-SA 2.5

„Atelier des Malers Gerhard von Kügelgen“ diente als Vorlage zur originalgetreuen Nachgestaltung der Atelierräume Kügelgens für die heutige Ausstellung, gemeinfrei

Erste Fassung 1812. Dargestellt ist Louise Seidler., gemeinfrei

Museum der Dresdner Frühromantik

Hauptstraße 13
01097 Dresden

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