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Luther im Himmel

Das jünste Gericht

Christoph Werner

Der große Reformator steht vor dem jüngsten Gericht; er ist angeklagt, auf Erden wahrhaft unchristlich gehandelt zu haben, da er Hexen, Juden und andere Gegner zu ersäufen oder zu pfählen empfahl. Nun muss er sich vor Gott rechtfertigen, warum er gegen das biblische Gebot der Nächstenliebe verstoßen habe.

Albrechtsschlösser am Dresdner Elbhang

Albrechtsschlösser am Dresdner Elbhang

Ute Rosner

Etwa drei Kilometer elbaufwärts vom Dresdner Stadtzentrum entfernt liegen an den Elbhängen im Stadtteil Loschwitz, umgeben von weitläufigen Parkanlagen, die drei Elbschlösser, auch Albrechtsschlösser genannt. Vom Fluss aus gut sichtbar, bilden sie einen reizvollen Blickpunkt in der malerischen Elbkulisse.

Schloss Albrechtsberg ist das repräsentativste und größte der drei Bauwerke. Es entstand zwischen 1850 und 1854 unter der Regie des Architekten Adolf Lohse, eines Schülers Karl Friedrich Schinkels, als Wohnsitz für den preußischen Prinzen Albrecht, welcher aufgrund seiner unstandesgemäßen zweiten Ehe Preußen verlassen hatte. Der Prinz hatte die Baronin von Stockhausen, Gattin seines Kammerherrn, damit beauftragt, ein geeignetes Grundstück für sein neues Palais in Dresden zu finden. Sie erwarb laut Grundbuch 1850 für 16.000 Taler ein Areal am Elbhang, genannt „Findlaters Weinberg".

Schloss Albrechtsberg
Schloss Albrechtsberg

Der Name zeugt von seinem vorherigen Besitzer, denn zuvor, Anfang des 19. Jahrhunderts, gehörte Lord James Ogilvy, 7. Earl of Findlater das Terrain oberhalb des Elbknies, welcher sich dort ein Wohnpalais hatte errichten lassen. Leider konnte er selbst es kaum nutzen, denn er starb im Jahr seiner Fertigstellung. Die Dresdner Bevölkerung jedoch nutzte in den darauffolgenden Jahren „Findlaters", wie sie den Ort gern bezeichnete, unter seinem neuen Besitzer Johann Gabriel Krebs als beliebte Ausflugsgaststätte. Richard WagnerE.T.A. Hoffman und Wilhelm von Kügelgen zählten zu den häufig gesehenen Gästen - bis Lohse unter Nutzung der Grundmauern des „Findlaterschen Palais" mit dem Bau von Schloss Albrechtsberg begann.

Schon von Weitem beeindruckt der Bau aus reinem Sandstein mit seinem Mittelrisalit und den beiden flankierenden, quadratischen Türmen. Die figuren- und vasengeschmückte Balustrade über dem Dachgesims unterstützt den Gesamteindruck der schönen Fassade. Nähert man sich dem Schloss von der Elbe aus, gewahrt man ausladende Treppenanlagen, die zu einer tiefen Terrasse mit halbrunder Halle führen, bestehend aus 16 korinthischen Säulen mit Architrav und einem Wasserbecken. Lohse griff bei der Gestaltung des Schlossbaus auf klassische Formen zurück. Architektonische Elemente der griechischen und römischen Antike sowie der italienischen  Renaissance fanden beim Bau von Schloss Albrechtsberg Verwendung. Als Beispiel spätklassizistischer Bauweise in Dresden - der Stadt des Barock - somit fast ein Unikat. 

Zum Schloss gehört eine großzügige Parkanlage, vom preußischen Gartenbaumeister Eduard Neide entworfen. Aus vier Landschaftsbereichen, durch geschwungene Wege miteinander verbunden, setzt sich die Anlage zusammen, die u.a. auch über einen künstlichen Teich und einen Wasserfall verfügt. Seit den 1930er Jahren ist der Park der Öffentlichkeit zugänglich.
Nachdem Prinz Albrecht 1872 verstorben war, nutzten die Erben das Schloss weiterhin als Wohnsitz, bis es 1925 zur Begleichung von Spielschulden an die Stadt Dresden verkauft wurde. Im Zweiten Weltkrieg blieb Schloss Albrechtsberg sowie auch die beiden anderen Elbschlösser von den Luftangriffen verschont, es wurde 1945 jedoch geplündert und teilweise zerstört. Ab 1951 diente es als Pionierpalast, 1977 wurde es zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt. Damit begann die schrittweise Restaurierung, insbesondere der romantisch- klassizistischen Innenausstattung, die sich bis heute fortsetzt. Seit 1990 wird das Schloss auch als Kongress- und Veranstaltungszentrum genutzt. Bälle, Konzerte, Konferenzen und andere Events finden hier regelmäßig statt.

Unweit von Schloss Albrechtsberg befindet sich das Lingnerschloss, ursprünglich die Villa Stockhausen. Es ist das mittlere der drei Elbschlösser und war als Wohnsitz für den Kammerherrn des Prinzen Albrecht, des Baron von Stockhausen, gedacht. Adolf Lohse baute es fast zeitgleich mit Schloss Albrechtsberg in den Jahren 1850 bis 1853. Vorbilder für den spätklassizistischen Bau waren für ihn auch diesmal die Paläste der italienischen Renaissance. Lohse gestaltete auch die Innenräume. Bis 1891 bewohnte die Familie des Baron von Stockhausen das Schloss, bis es nach nochmaligem Wechsel 1906 in den Besitz des „OdolkönigsKarl August Lingners gelangte, des wohl berühmtesten Eigentümers des Anwesens. Dieser, der das Außergewöhnliche liebte, ließ es in größerem Maße umgestalten. Unter anderem wurde die östliche Kolonnade erweitert und zum geschlossenen Wintergarten umgebaut. Der Festsaal im Erdgeschoss erhielt drei Orgelprospekte. Diese eigens für ihn konstruierte Orgel erlaubte es Lingner, auch seine Freunde per Telefon an der Orgelmusik teilhaben zu lassen. Die Raumstruktur des Schlosses insgesamt erfuhr gravierende Veränderungen. Und auch der Park, ursprünglich entworfen vom Gartengestalter des Schlosses Albrechtsberg, Eduard Neide, bezog man in die Veränderungen mit ein. Die Schlossanlage verfügte zudem - eine Besonderheit und Attraktion unter den drei Elbschlössern - über eine eigene Standseilbahn, die Lingner von der Schlossterrasse über den hauseigenen Weinberg hinab zu seinem Lieblingsplatz im Elbtal brachte, dorthin, wo später das Mausoleum, seine letzte Ruhestätte, entstand. Bergstation und Trassenführung der Standseilbahn sind heute noch erhalten.

Die Elbschlösser
Die Elbschlösser

Als Lingner 1916 verstarb, vermachte er sein Anwesen per Testament der Stadt Dresden, in deren Eigentum es im Jahr 1921 überging. Zu seinem Vermächtnis als Ausdruck hoher sozialer Verantwortung und Kompetenz gehörte der Wunsch, Schloss und Park der Dresdner Bevölkerung zugänglich zu machen. Im Schloss sollte außerdem ein Café oder Restaurant eröffnet werden, welches Getränke und Speisen zu den im Umkreis niedrigsten Preisen anbietet. Leider hat sich dieser Wunsch im Laufe des 20. Jahrhunderts nicht durchgängig erfüllt. Nach 1921 wurde das Schloss weiterhin von Privatpersonen genutzt. Im Zweiten Weltkrieg von den Bomben verschont, wurde es wie auch Schloss Albrechtsberg nach 1945 teilweise zerstört. Teile der wertvollen Innenausstattung, geschaffen von Wilhelm Kreis und Franz von Stuck,  gingen dabei unwiederbringlich verloren, wie auch Lingners berühmte Orgel, die vor dem Schlosseingang verbrannt wurde. Grundlegende Umbauten in der Nachkriegszeit im Sinne der damaligen Staatsideologie veränderten das Innere des Lingnerschlosses noch einmal gravierend.

Dennoch wurde das Gebäude genutzt - vom sogenannten  „Dresdner Klub", einem  Kreis Dresdner Intellektueller, bestehend aus Wissenschaftlern, Künstlern und anderen Persönlichkeiten, der das Lingnerschloss regelmäßig als Treffpunkt und Heimstatt gebrauchte. Ab 1993 stand das Gebäude leer, fehlende Instandhaltung und Pflege sowie Vandalismus waren die Folge.

Im Sommer 2002 schließlich gründete sich der gemeinnützige Verein Lingnerschloss e.V. Ziel dieses Vereins ist die Restaurierung und Erhaltung des Lingner-Anwesens, welches als Teil des kulturellen Lebens in Dresden der Bevölkerung im Sinne des Lingnerschen Testaments offenstehen soll.

 

Schloss Eckberg
Schloss Eckberg
Schloss Eckberg ist das dritte der Elbschlösser, errichtet auf einem Felsvorsprung elbseitig rechts neben Schloss Albrechtsberg und Lingnerschloss. Erbaut wurde es von Semper-Schüler Christian Friedrich Arnold von 1859 bis 1861 für den englischen Großkaufmann Johann Daniel Souchay. Dieser hatte den Loschwitzer Weinberg „Eckberg" 1859 erworben, da er beabsichtigte, seinen Wohnsitz in das Dresdner Elbtal zu verlegen.

Arnold erbaute Schloss Eckberg im neugotischen Stil bzw. im Stil der Tudorgotik. Bezeichnend dafür sind unter anderem die rechteckigen und polygonalen Türme, so auch der schlanke, 25 Meter hohen Hauptturm, der auf einer vorspringenden Ecke steht. Auf symmetrische Formen verzichtete er weitestgehend, stattete das Anwesen vielmehr mit einer Reihe von Türmen, Erkern und verwinkelten Ecken aus, welche seinen pittoresken Charakter stark hervorheben. Arnold orientierte sich beim Bau des Anwesens an zahlreichen anderen Landsitzen und Landschaftsparks, um ein harmonisches Ensemble von Schloss und dazugehöriger Parkanlage zu kreiren. Mit der Gestaltung des 15 Hektar großen Landschaftsparks selbst beauftragte Souchay den preußischen Landschaftsgärtner Hermann Sigismund Neumann.

In den 1870er Jahren erwarb der Handelsherr und Generalkonsul Arthur Bruno Wunderlich Schloss Eckberg. Nach dessen frühem Tod bewohnte seine Witwe weiterhin das Schloss, später verpachtete sie es.

1925 schließlich gelangte Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg in den Besitz des Anwesens. Er, der Erfinder der Chlorodont-Zahnpasta und Gründer der Leo-Werke, war ein leidenschaftlicher Gärtner und Botaniker. Er widmete sich mit Hingabe der Umgestaltung des Parks, bereicherte ihn durch verschiedenste Blumenpflanzungen. Steingarten, Tulpen- und Krokuswiesen entstanden unter seiner Regie. Rosenranken wurden angelegt zur Verschönerung der Stützmauer der Terrasse. Und sein besonderer Verdienst - für einige Wochen im Jahr machte Mayenburg seine Gartenanlagen der Dresdner Bevölkerung zugänglich.

Nachdem Mayenburg 1932 gestorben war, bewohnte seine Witwe das Schloss noch bis 1947.

Zu DDR-Zeiten wurde Schloss Eckberg für verschiedene Zwecke genutzt, unter anderem als Jugendbegegnungsstätte. Nach der Wende, 1994, übernahm die Münchner Unternehmensgruppe ARGENTA das Anwesen. Sie ließ es umfangreich sanieren und zum Luxushotel umbauen.