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Papier gegen Kälte

Florian Russi

Eine packende Mischung aus Entwicklungsroman und spannendem Thriller.

auch als E-Book erhältlich

Manfred von Ardenne

Manfred von Ardenne

Florian Russi

Der Mann der 600 Erfindungen und Patente

Manfred von Ardenne 1933
Manfred von Ardenne 1933

Wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn man Deutschland nach dem 2. Weltkrieg nicht geteilt hätte? Auch so wurde er ein in der Fachwelt bewunderter und erfolgreicher Erfinder und Entwickler. Der am 20. Januar 1907 in Hamburg geborene Manfred Baron von Ardenne lebte und wirkte den größten Teil seines Lebens in Dresden. Er forschte vor allem in der angewandten Physik und brachte es auf etwa 600 Erfindungen und Patente in der Funk- und Fernsehtechnik, der Elektronenmikroskopie sowie der Nuklear-, Pharma- und Medizintechnik. Schon als 16-jähriger erhielt er sein erstes Patent für ein von ihm entwickeltes „Verfahren zur Erzielung einer Tonselektion, insbesondere für die Zwecke der drahtlosen Telegraphie". Mit 23 Jahren entdeckte er die Technik der elektronischen Fernsehübertragung. Eine Schere, die er gerade in der Hand hielt, wurde zum ersten Fernsehstar der Welt. Unstreitig kann man ihn als Erfinder des modernen Fernsehens bezeichnen.

Ardenne war ein genialer Techniker und eine eigenwillige Persönlichkeit. Mit Schule und Studium hatte er wenig im Sinn. Mit 16 Jahren verließ er vorzeitig das Gymnasium. Durch Empfehlungen des Nobelpreisträgers Walter Nernst sowie des Telefunken-Direktors Graf von Arco wurde er trotzdem an der Universität Berlin zum Studium von Physik, Chemie und Mathematik zugelassen. Doch auch das Studium beendete er nach kurzer Zeit wieder. Schule und Hochschule hielten ihn unnötig von seinen kreativen Gedanken und Experimenten ab. Während der Nationalsozialistischen Zeit wurde er vom damaligen Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge gefördert, ließ sich aber nicht von ihm dazu überreden, der Nationalsozialistischen Partei (NSDAP) beizutreten. Er entwickelte ein Radarabwehrsystem für die deutsche Luftwaffe.

Nach Ende des 2. Weltkrieges 1945 wurde er von der Sowjetunion zwangsverpflichtet und arbeitete an der Entwicklung der sowjetischen Atom- und Wasserstoffbomben mit.

1954 durfte er nach Deutschland zurückkehren. Er nahm seinen Wohnsitz in Dresden in der damaligen DDR und gründete dort das größte private Forschungszentrum des gesamten Ostblocks. Schwerpunkte seiner Forschungen wurden medizinische Therapien, vor allem im Bereich der Krebsbekämpfung.

Manfred von Ardenne (r) erhält die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dresden (1989)
Manfred von Ardenne (r) erhält die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dresden (1989)

Es heißt von ihm, dass er Sympathien für den Sozialismus hegte, allerdings eine kritische Distanz zum realen System in der DDR hatte. Mehrfach hielt er Plädoyers für eine „Sozialistische Marktwirtschaft". Er gehörte weder der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) noch einer der mit ihr verbundenen Blockparteien an. Als Abgeordneter des Kulturbundes war er allerdings Mitglied der Volkskammer. Der Kulturbund war eine 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründete Organisation, die zum Ziel hatte, Kulturschaffende und -interessierte für „Sozialismus, Humanismus und Antifaschismus" zu gewinnen. Nach 1949 geriet er immer mehr in Abhängigkeit zur SED.

Die DDR gewährte dem Ausnahme-Physiker und Forscher einen privilegierten Status jenseits der sozialistischen Ideologie. Er konnte über ein großes persönliches Vermögen verfügen und führte das Leben eines Großbürgers. Nach der deutschen Wiedervereinigung teilte er sein Dresdner Forschungsinstitut in 4 Gesellschaften auf, deren bedeutendstes das Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik ist.

Manfred von Ardenne starb am 26. Mai 1997 in Dresden-Weißer Hirsch. Sein Grab befindet sich auf dem dortigen Waldfriedhof.

Übrigens: Ardennes Großmutter, Elisabeth von Plotho, gab die Vorlage für „Effi Briest", die berühmte Romanfigur von Theodor Fontane.

 

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Bildquellen:
- Vorschaubild:  Manfred von Ardenne auf der Volkskammertagung 1986. Bundesarchiv, Bild 183-1986-0617-038 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA
- Oben rechts: Manfred von Ardenne, mit der von ihm verbesserten Braun'schen Röhre und Projektionsapparat; Aufnahme 1933, Bundesarchiv, Bild 183-K0917-501 / CC-BY-SA
- Unten links: Manfred von Ardenne (r) erhält 1989 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Dresden. Die Urkunde wird ihm von Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer (l) überreicht. Bundesarchiv, Bild 183-1989-0926-031 / Häßler, Ulrich / CC-BY-SA