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Die Elbeflut von 1784

Die Elbeflut von 1784

Alexander Walther

Das Hochwasser von 1784*

Der Winter 1783/84 sorgte in Mitteleuropa für tiefe Temperaturen, massive Schneefälle und gefrorene Flüsse und Seen. Die Elbe war zeitweise mehr als einen Meter dick zugefroren. Auf diese extremen Wetterverhältnisse folgte ein plötzlicher Wärmeeinbruch, der in vielen Regionen Deutschlands und Mitteleuropas für schwere Überschwemmungen und Schäden sorgte. Von dem Hochwasser in Dresden berichtet Martin B. Landau, der zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine umfassende Chronik zur Dresdner Stadtgeschichte publizierte.

„Zunächst brachte das Jahr 1784 eine ungeheure Ueberschwemmung, welche die Elbgegend verwüstete und unermeßlichen Schaden anrichtete. Der Hochfluth war ein ziemlich harter Winter vorangegangen, der außerordentliche Unterstützungen nöthig gemacht hatte; am 26. Februar trat Thauwetter ein und zwei Tage später brach die Elbe auf und stieg bis zum 1. März bis auf 12 Ellen 13 Zoll über 0 an dem (1776 am 5. Pfeiler angebrachten) Elbmesser, eine Fluth, wie sie seit 1655 nicht dagewesen war. Die Kloster- und Meißnergasse in Neustadt, ein großer Theil der pirnaischen Vorstadt, der Zwinger und die Friedrichstadt standen zum Theil 2-3 Ellen unter Wasser. Auf dem Strome trieben entwurzelte Bäume, Dachgiebel, Möbelstücke, losgerissene Kähne und Schiffe umher und zerschellten mit den Eismassen an der Brücke, deren 8. Pfeiler so stark beschädigt wurde, daß er einzustürzen drohte. Seine Wiederherstellung kostete 4000 Thaler. Es gingen 400 Schragen Elbfloßholz mit fort; das Gießhaus im Zeughofe wurde so arg unterwaschen, daß es niedergerissen und neuaufgebaut werden mußte. Die Stadt Dresden berechnete überhaupt einen Schaden von 33,556 Thlrn. 2 Gr., während die Gesammtsumme des in der Elbgegend des Landes überhaupt erlittenen Schadens auf 538,743 Thlr. 19 Gr. 10 Pf. veranschlagt ward. Der Churfürst befahl, am Charfreitage im ganzen Lande eine Collecte für die Beschädigten zu veranstalten, welche einen Ertrag von 36,778 Thlrn. 13 Gr. 9 Pf. gab. Außerdem gaben der Churfürst für´s Erste zur schleunigen Hilfeleistung 3.973 Thlr., der Rath zur Vertheilung unter arme Hausbesitzer 1777 Thlr. 21 Gr. 3 Pf., der Herzog von Sachsen-Teschen 2000 Thlr., die dresdner Katholiken 1720 Thlr. Am 3. März war die Elbe wieder auf 3 Ellen herabgegangen. Die nächste bedeutende Fluth brachte das Jahr 1799, wo die Elbe eine Höhe von 9 ¼ Ellen erreichte. Seitdem gab man bei Eisfahrten zur Warnung für die Bewohner der Elbufer durch 10 von Dresden bis Wittenberg längst der Elbe aufgestellte Posten Signale mit Haubitzen, machte auch Versuche, sich schützende Eismassen durch vierundzwanzigpfündige Bomben zu sprengen."

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Lindau, Martin B., Geschichte der Haupt- und Residenzstradt Dresden von der frühesten bis auf die gegenwärtige Zeit. Zweiter Band. Siebentes Heft, Dresden 1860. S. 484f.

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*Zum Elbehochwasser 1874 siehe u. a. Polidowa, Guido N., Aus Katastrophen lernen: Sachsen im Kampf gegen die Fluten der Elbe 1784 bis 1845, Wien/Köln/Weimar 2007; http://undine.bafg.de/servlet/is/13855/ [Stand: 11.01.2013].